Nervenkrankheiten, auch als neurologische Erkrankungen bekannt, betreffen Millionen von Menschen weltweit und können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die verschiedenen Arten von Nervenkrankheiten, ihre Ursachen und Symptome sowie über moderne Behandlungsmöglichkeiten.
Was sind Nervenkrankheiten?
Nervenkrankheiten umfassen eine breite Palette von Erkrankungen, die das Nervensystem beeinträchtigen. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark und die peripheren Nerven. Je nachdem, welcher Teil des Nervensystems betroffen ist, können motorische Funktionen, die Kognition oder die sensorischen Fähigkeiten beeinträchtigt sein.
Häufige Nervenkrankheiten
Es gibt zahlreiche neurologische Erkrankungen, die sich in ihren Symptomen und Auswirkungen deutlich unterscheiden. Zu den häufigsten zählen:
Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Sie zeichnet sich durch einen allmählichen Verlust des Gedächtnisses und anderer kognitiver Fähigkeiten aus.
Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit wird durch den Verlust Dopamin-produzierender Nervenzellen im Gehirn verursacht. Charakteristische Symptome sind Zittern, Steifheit der Muskeln und eine Verlangsamung der Bewegungen. Wenn die Hände zittern, steckt allerdings nicht automatisch Parkinson dahinter – die möglichen Ursachen reichen von harmlos bis behandlungsbedürftig.
Multiple Sklerose
Multiple Sklerose (MS) ist eine autoimmune Erkrankung, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden der Nervenfasern angreift. Dies führt zu einer gestörten Signalübertragung im Nervensystem; Verlauf und Beschwerdebild unterscheiden sich von Mensch zu Mensch erheblich.
Epilepsie
Epilepsie ist durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet. Diese entstehen durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn und lassen sich bei vielen Betroffenen mit Medikamenten gut kontrollieren.
Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist ein akuter Notfall: Die Blutversorgung eines Teils des Gehirns wird unterbrochen, etwa durch ein verstopftes Blutgefäß oder eine Blutung im Gehirn. Bei plötzlicher Lähmung, hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen zählt jede Minute – wählen Sie sofort den Notruf 112.
Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven geschädigt, häufig zuerst an Füßen und Händen. Typisch sind Kribbeln, Taubheitsgefühle oder brennende Schmerzen. Zu den bekannten Auslösern zählen unter anderem ein langjähriger Diabetes mellitus und übermäßiger Alkoholkonsum.
Daneben gibt es schwere, fortschreitende Krankheitsbilder wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Einen eigenen Überblick über Nervenkrankheiten, die zum Tod führen können, finden Sie in unserem separaten Ratgeber.
Ursachen von Nervenkrankheiten
Eine einzelne Ursache gibt es selten – oft wirken mehrere Faktoren zusammen, und bei manchen Erkrankungen ist die Entstehung bis heute nicht vollständig geklärt. Zu den anerkannten Ursachen und Risikofaktoren gehören:
- Altersbedingte Abbauprozesse: Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson treten überwiegend im höheren Lebensalter auf.
- Durchblutungsstörungen: Gefäßverkalkung, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall.
- Autoimmunprozesse: Bei Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Nervengewebe.
- Stoffwechselerkrankungen: Ein dauerhaft schlecht eingestellter Diabetes kann die peripheren Nerven schädigen.
- Infektionen: Bestimmte Viren und Bakterien können das Nervensystem angreifen, beispielsweise bei einer Gürtelrose oder einer Borreliose.
- Giftstoffe: Langjähriger Alkoholmissbrauch und bestimmte Medikamente können Nerven schädigen.
- Erbliche Veranlagung: Einige neurologische Erkrankungen treten familiär gehäuft auf.
Symptome: Diese Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen
Nervenkrankheiten können sich sehr unterschiedlich äußern. Ärztlich abklären lassen sollten Sie insbesondere:
- Motorische Beschwerden: Zittern, Muskelschwäche, Gangunsicherheit, häufige Stürze oder zunehmende Ungeschicklichkeit,
- Gefühlsstörungen: anhaltendes Kribbeln, Taubheitsgefühle oder brennende Schmerzen, vor allem in Füßen und Händen,
- Kognitive Veränderungen: auffällige Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme oder Wesensveränderungen,
- Vegetative Beschwerden: Schluckstörungen, Schwindel oder Störungen der Blasenfunktion – etwa häufiger nächtlicher Harndrang, der auch bei einigen neurologischen Erkrankungen auftreten kann.
Wichtig: Treten Lähmungen, Sprachstörungen oder sehr starke Kopfschmerzen plötzlich auf, rufen Sie sofort den Notruf 112 – es könnte ein Schlaganfall vorliegen.
Nicht jede Beschwerde hat eine neurologische Ursache: Schmerzt und schwillt ein einzelnes Gelenk plötzlich an, liegt eher eine Gelenkerkrankung nahe, etwa ein akuter Gichtanfall.
Wie werden Nervenkrankheiten diagnostiziert?
Erste Anlaufstelle ist in der Regel die hausärztliche Praxis, die bei Verdacht an eine neurologische Praxis überweist. Zur Abklärung gehören üblicherweise:
- ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese),
- eine körperliche und neurologische Untersuchung von Reflexen, Kraft, Gefühl und Koordination,
- Blutuntersuchungen, um beispielsweise Stoffwechselstörungen oder Entzündungen zu erkennen,
- bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT),
- je nach Fragestellung Spezialuntersuchungen wie die Messung der Hirnströme (EEG), der Nervenleitgeschwindigkeit (ENG) oder eine Untersuchung des Nervenwassers.
Welche Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung und ihrem Stadium. Auch wenn viele Nervenkrankheiten nicht heilbar sind, lassen sich Beschwerden heute oft deutlich lindern und das Fortschreiten verlangsamen. Zu den wichtigsten Bausteinen gehören:
- Medikamente: je nach Erkrankung etwa Wirkstoffe, die fehlende Botenstoffe ersetzen, Anfälle unterdrücken oder das Immunsystem regulieren – Auswahl und Dosierung gehören ausschließlich in ärztliche Hände,
- Physiotherapie und Ergotherapie: erhalten Beweglichkeit, Kraft und Selbstständigkeit im Alltag,
- Logopädie: hilft bei Sprach- und Schluckstörungen,
- Psychologische Unterstützung: für Betroffene und Angehörige, denn eine chronische Diagnose belastet häufig die ganze Familie,
- Hilfsmittel: vom Gehstock über den Rollator bis zu Alltagshilfen, die die Sicherheit zu Hause erhöhen.
Unterstützung im Alltag: Pflege bei Nervenkrankheiten
Mit fortschreitender Erkrankung werden alltägliche Dinge wie Körperpflege, Haushalt oder die Medikamenteneinnahme oft zur Herausforderung. Ein ambulanter Pflegedienst in Berlin kann Betroffene und Angehörige gezielt entlasten – von der Grundpflege über die Medikamentengabe bis zur Begleitung zu Arztterminen. Auch die Beratung zu Pflegegrad und Leistungen der Pflegeversicherung gehört dazu.
Fazit
Nervenkrankheiten stellen eine große Herausforderung dar, aber dank intensiver Forschung und moderner Behandlungsmethoden gibt es zunehmend Möglichkeiten, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Entscheidend sind eine frühzeitige ärztliche Abklärung und ein ganzheitlicher Ansatz aus medizinischer Behandlung, Therapie und Unterstützung im Alltag.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Hausarztpraxis oder eine neurologische Praxis.
Erfahren Sie mehr über unsere spezialisierten Pflegeleistungen für Menschen mit neurologischen Erkrankungen – kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung.