Kribbeln in der linken Hand hat meist harmlose Ursachen, etwa einen Nerv, der beim Aufstützen oder im Schlaf kurz gedrückt wurde. Es kann aber auch ein Warnzeichen für einen Herzinfarkt sein, vor allem wenn Brustschmerzen, Druck in der Brust, Atemnot oder kalter Schweiß hinzukommen. Wichtig ist deshalb, harmloses von gefährlichem Kribbeln zu unterscheiden und im Notfall sofort richtig zu handeln. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt gilt immer: sofort die 112 wählen.
Kribbeln in der linken Hand: Was dahinterstecken kann
Ein Kribbeln in der linken Hand kann viele Ursachen haben, von harmlosen bis hin zu lebensbedrohlichen. Nicht jedes Kribbeln weist auf einen Herzinfarkt hin. Entscheidend sind die Umstände: wie plötzlich es auftritt, wie lange es anhält und welche Beschwerden es begleiten. Ernst nehmen sollten Sie es trotzdem, besonders wenn es neu, stark oder ungewohnt ist.
Herzinfarkt: Was passiert und warum jede Minute zählt
Bei einem Herzinfarkt, auch Myokardinfarkt genannt, verschließt sich ein Herzkranzgefäß. Meist bildet sich dabei ein Blutgerinnsel an einer aufgerissenen Ablagerung in der Gefäßwand. Der Herzmuskel hinter dem Verschluss bekommt keinen Sauerstoff mehr, Herzmuskelzellen sterben ab. Je länger der Verschluss besteht, desto mehr Herzmuskel geht unwiederbringlich verloren. Zudem kann jederzeit Kammerflimmern auftreten, eine Herzrhythmusstörung, die ohne sofortige Hilfe innerhalb weniger Minuten zum Tod führt. Deshalb zählt bei einem Herzinfarkt jede Minute.
Kribbeln als Herzinfarkt-Zeichen: Darauf kommt es an
Typisch für einen Herzinfarkt sind starke Schmerzen, Druck oder Brennen in der Brust, oft hinter dem Brustbein. Die Schmerzen können in die Arme, den Hals, den Kiefer, den Oberbauch, den Rücken oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlen. Sie setzen plötzlich ein oder steigern sich langsam und lassen in Ruhe nicht nach. Auch Taubheitsgefühle im Oberkörper sind möglich. Ein Kribbeln in Arm oder Hand allein ist dagegen kein eindeutiges Herzinfarkt-Zeichen. Verdächtig wird es, wenn es plötzlich auftritt und von Brustschmerz, Atemnot, Übelkeit, Angst oder kaltem Schweiß begleitet wird. Halten solche Beschwerden länger als fünf Minuten an, wählen Sie sofort die 112. Einen ausführlichen Überblick über alle typischen Warnzeichen gibt unser Beitrag zu den Herzinfarkt-Symptomen.
Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes verläuft ein Herzinfarkt häufiger untypisch. Statt des klassischen Brustschmerzes stehen dann Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch oder Rücken, ein Ziehen in den Armen oder ungewöhnliche Erschöpfung im Vordergrund. Bei Diabetes können geschädigte Nerven die Schmerzsignale abschwächen, sodass ein Infarkt kaum oder gar nicht bemerkt wird. Rufen Sie deshalb auch dann den Rettungsdienst, wenn Sie Beschwerden in diesem Ausmaß noch nie erlebt haben.
Schlaganfall und andere neurologische Ursachen
Plötzliches Kribbeln oder Taubheit in der Hand kann auch auf einen Schlaganfall hinweisen. Typisch sind dann eine plötzliche Lähmung oder ein Taubheitsgefühl auf einer Körperseite, oft stärker in Gesicht, Arm und Hand, ein herunterhängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel mit Gangunsicherheit oder sehr starke Kopfschmerzen. Auch hier gilt: sofort die 112 wählen, selbst wenn die Beschwerden nach wenigen Minuten wieder verschwinden. Ein solcher vorübergehender Anfall ist ebenfalls ein Notfall. Auch ein einseitiges Zittern der Hand kann auf eine neurologische Störung hinweisen. Die häufigsten Ursachen erklärt unser Beitrag Zitternde Hand einseitig.
Harmlose und andere Ursachen für Kribbeln in der Hand
Oft stecken Ursachen außerhalb des Herzens hinter einem Kribbeln in der linken Hand. Schläft die Hand kurz ein, weil ein Nerv durch Aufstützen oder eine ungünstige Schlafhaltung gedrückt wurde, verschwindet das Kribbeln meist schnell wieder. Beim Karpaltunnelsyndrom ist der Mittelnerv am Handgelenk eingeengt: Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger kribbeln oder fühlen sich taub an, typischerweise nachts und gegen Morgen, und Ausschütteln der Hand lindert die Beschwerden oft. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule kann Schmerzen, Kribbeln und Taubheit bis in Arm und Hand auslösen. Bei einer Polyneuropathie, häufig als Folge von Diabetes oder starkem Alkoholkonsum, beginnen die Missempfindungen meist an den Füßen und erreichen später auch die Hände. Auch Durchblutungsstörungen kommen infrage. Welche Ursache vorliegt, lässt sich nur durch eine ärztliche Untersuchung klären. Bei Verdacht auf ein Gefäßproblem in den Beinen hilft zudem unser Thrombose-Selbsttest, typische Warnzeichen richtig einzuordnen.
So wird die Ursache ärztlich abgeklärt
Je nach Verdacht kommen diese Untersuchungen infrage:
- EKG-Untersuchung: Zeichnet die Herzströme auf und ist bei Verdacht auf einen Herzinfarkt die wichtigste erste Untersuchung.
- Blutuntersuchung: Der Troponin-Wert zeigt, ob der Herzmuskel geschädigt ist. Weitere Laborwerte helfen, Ursachen wie Diabetes oder Entzündungen zu erkennen.
- Neurologische Tests: Prüfen Empfinden und Beweglichkeit und grenzen Ursachen wie Nervenschäden ab. Eine Messung der Nervenleitung (Elektroneurographie) hilft zum Beispiel, ein Karpaltunnelsyndrom festzustellen.
- Bildgebende Verfahren: MRT oder CT machen strukturelle Ursachen wie Bandscheibenvorfälle oder Gefäßverengungen sichtbar.
Risikofaktoren für einen Herzinfarkt
Diese Faktoren erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt:
- Rauchen: Fördert die Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose), die einem Herzinfarkt meist vorausgeht.
- Diabetes: Fördert ebenfalls die Gefäßverkalkung und kann Nerven schädigen, sodass Warnzeichen schwächer ausfallen.
- Bluthochdruck: Führt zu einer Versteifung und Verengung der Arterien.
- Erhöhte Cholesterinwerte: Ein hoher LDL-Cholesterinwert begünstigt Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen.
- Übergewicht und Bewegungsmangel: Erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unter anderem über erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte.
- Familiäre Vorbelastung: Herzinfarkte oder Herzkrankheiten bei nahen Verwandten erhöhen das eigene Risiko.
- Alter: Das Risiko steigt mit den Jahren, bei Frauen vor allem nach den Wechseljahren.
Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht gehen häufig mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko einher. Was bei einem akuten Anfall schnell hilft, zeigt unser Ratgeber Gicht: Was hilft schnell.
Behandlung eines Herzinfarkts
Im Krankenhaus wird das verschlossene Herzkranzgefäß meist per Herzkatheter wieder geöffnet und mit einem Stent offen gehalten. Je schneller das gelingt, desto weniger Herzmuskel geht verloren. Danach senken Medikamente wie Thrombozytenaggregationshemmer und Statine das Risiko eines weiteren Herzinfarkts. Rehabilitationsprogramme helfen Betroffenen, sich zu erholen und einem weiteren Herzinfarkt vorzubeugen.
Einem Herzinfarkt vorbeugen
Um einem Herzinfarkt vorzubeugen, sind diese Maßnahmen wichtig:
- Warnsignale ernst nehmen: Lassen Sie unklare Beschwerden wie wiederkehrenden Druck in der Brust, Atemnot oder Schwindel ärztlich abklären.
- Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein normales Gewicht und der Verzicht aufs Rauchen schützen Herz und Gefäße.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßige Check-ups: Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig in Ihrer Hausarztpraxis kontrollieren.
Was Sie bei Kribbeln in der linken Hand tun können
Erste Schritte bei Kribbeln in der linken Hand
Kommen Brustschmerzen, Druck in der Brust, Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß oder eine plötzliche Lähmung oder Sprachstörung hinzu, wählen Sie sofort die 112. Ohne diese Warnzeichen helfen diese Schritte:
- Ruhe bewahren: Atmen Sie ruhig und achten Sie bewusst darauf, was Sie spüren.
- Symptome beobachten: Notieren Sie, wann das Kribbeln beginnt, wie lange es dauert und ob weitere Beschwerden hinzukommen.
- Lage ändern: Verändern Sie die Position von Hand und Arm. Verschwindet das Kribbeln danach schnell, war oft nur ein Nerv kurz gedrückt.
Begleitsymptome prüfen
- Schmerzen in der Brust: Achten Sie auf drückende, brennende oder beengende Schmerzen, auch wenn sie in Arme, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlen.
- Atemnot: Schwierigkeiten beim Atmen können ein Anzeichen für einen Herzinfarkt sein.
- Übelkeit oder Erbrechen: Diese Beschwerden können ebenfalls auftreten, bei Frauen manchmal als einzige Anzeichen.
- Schwitzen: Kalter Schweiß, blasse Haut und starke Angst sind ernste Warnzeichen.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf Herzinfarkt
- Notruf absetzen: Wählen Sie sofort die 112 und sagen Sie deutlich, dass Sie einen Herzinfarkt vermuten. Fahren Sie auf keinen Fall selbst ins Krankenhaus.
- Ruhe bewahren: Setzen oder legen Sie sich mit erhöhtem Oberkörper hin und versuchen Sie, ruhig zu atmen.
- Medikamente nur nach Rücksprache: Nehmen Sie ASS (Acetylsalicylsäure, etwa Aspirin) nicht auf eigene Faust ein, sondern nur, wenn die Leitstelle oder der Rettungsdienst dazu rät.
- Hilfe rufen: Informieren Sie Menschen in Ihrer Nähe, damit jemand bei Ihnen bleibt und den Rettungsdienst empfängt.
Harmloses und gefährliches Kribbeln unterscheiden
- Kurzes Kribbeln: Tritt es nach einer ungünstigen Haltung auf und verschwindet beim Bewegen oder Ausschütteln, ist es meist harmlos.
- Lang anhaltendes oder wiederkehrendes Kribbeln: Sollte ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.
- Kribbeln mit Warnzeichen: Kommen Brustschmerz, Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß hinzu, besteht Verdacht auf einen Herzinfarkt. Wählen Sie sofort die 112.
- Plötzliche Taubheit einer Körperseite: Sind zusätzlich Gesicht, Sprache oder Sehen betroffen, kann es ein Schlaganfall sein. Wählen Sie sofort die 112.
- Andere Ursachen bedenken: Häufig stecken ein Karpaltunnelsyndrom, ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule oder eine Polyneuropathie dahinter.
Wann Sie ärztlichen Rat brauchen
- Arzttermin vereinbaren: Lassen Sie Kribbeln, das anhält oder immer wiederkommt, in Ihrer Hausarztpraxis abklären.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117: Außerhalb der Sprechzeiten hilft er, wenn die Beschwerden nicht bis zum nächsten Tag warten können, aber nicht lebensbedrohlich sind.
- Notruf 112: Bei Brustschmerzen oder Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall rufen Sie nicht den Bereitschaftsdienst, sondern sofort die 112.
- Untersuchungen: Je nach Verdacht folgen EKG, Blutuntersuchung, neurologische Tests oder Bildgebung.
Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten
- Symptome dokumentieren: Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Beschwerden und deren Verlauf: wann, wie lange, welche Finger und welche Begleitbeschwerden.
- Fragen vorbereiten: Schreiben Sie Ihre Fragen vorab auf, damit Sie im Termin nichts Wichtiges vergessen.
- Klarheit schaffen: Informieren Sie über alle bestehenden Erkrankungen und alle Medikamente, die Sie einnehmen.
- Behandlung besprechen: Fragen Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie infrage kommen.
Für den Notfall vorsorgen
- Notrufnummern: Halten Sie die 112 und die 116117 griffbereit, zum Beispiel neben dem Telefon.
- Medikamentenliste: Halten Sie eine aktuelle Liste Ihrer Medikamente bereit.
- Kontaktnummern: Notieren Sie die Telefonnummern von Angehörigen oder Freunden, die im Notfall informiert werden sollen.
- Notfallinformationen im Smartphone: Hinterlegen Sie Medikamente, Vorerkrankungen und Notfallkontakte so, dass sie auch bei gesperrtem Bildschirm abrufbar sind.
- Hausnotruf: Wer allein lebt, kann mit einem Hausnotruf jederzeit per Knopfdruck Hilfe holen.
Psychologische Unterstützung
- Angstbewältigung: Belastet Sie die Sorge vor einem Herzinfarkt stark, kann psychologische Unterstützung helfen, mit der Angst umzugehen.
- Familienunterstützung: Beziehen Sie Ihre Familie in Ihre Gesundheitsvorsorge ein.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe für Herzpatienten kann Halt geben.
Notfall-Checkliste bei Verdacht auf Herzinfarkt
Sofort:
- Notruf 112 wählen
- Ruhig und deutlich sprechen
- Adresse, Stockwerk und den Namen an der Klingel nennen
- Am Telefon bleiben, bis die Leitstelle alle Fragen gestellt hat, und ihren Anweisungen folgen
- Dem Rettungsdienst den Beginn der Beschwerden (Uhrzeit), ihre Art (Kribbeln, Schmerzen, Druck) und diese Begleitsymptome mitteilen:
- Brustschmerzen
- Atemnot
- Übelkeit
- Schwitzen
- Ausstrahlende Schmerzen
- Bis der Rettungsdienst eintrifft:
- Mit erhöhtem Oberkörper hinsetzen oder hinlegen
- Beengende Kleidung öffnen
- Fenster öffnen
- Die betroffene Person nicht allein lassen
- ASS nur einnehmen, wenn die Leitstelle dazu rät
- Bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung sofort mit der Herzdruckmassage beginnen
Bereithalten:
- Medikamentenliste
- Allergiepass (falls vorhanden)
- Patientenverfügung (falls vorhanden)
- Krankenkassenkarte
Wichtige Telefonnummern:
- Notruf: 112
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst (nicht lebensbedrohliche Beschwerden): 116117
- Hausarzt: ______________
- Nächster Angehöriger: ______________
Tür:
- Haustür öffnen
- Wenn möglich, jemanden nach unten schicken, der den Rettungsdienst einweist
Wichtig: Bewahren Sie diese Liste gut sichtbar auf, zum Beispiel an der Kühlschranktür.
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt jede Minute. Zögern Sie nicht und wählen Sie sofort die 112, auch wenn Sie unsicher sind.
Fazit
Kribbeln in der linken Hand hat viele Ursachen. Meist ist es harmlos, etwa wenn ein Nerv kurz gedrückt wurde, oder es steckt ein Karpaltunnelsyndrom oder ein Problem der Halswirbelsäule dahinter. Kommen Brustschmerzen, Druck in der Brust, Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß hinzu, kann es ein Herzinfarkt sein. Eine plötzliche Taubheit oder Lähmung einer Körperseite deutet auf einen Schlaganfall hin. In beiden Fällen gilt: sofort die 112 wählen und nicht selbst ins Krankenhaus fahren.
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Weitere Beiträge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zur Pflege zu Hause finden Sie in unserem Pflegeratgeber. Haben Sie Fragen zur Versorgung zu Hause? Sprechen Sie uns gern an.